Monatsarchiv für Januar 2008

28.01. - Ausfall der Berufswahlberatung im Konrad-Klepping-Berufskolleg

Freitag, den 25. Januar 2008

Aufgrund eines auswärtigen Termins findet am kommenden Montag (28.01.2008) keine Berufswahlberatung statt. Spätestens am Dienstag bin ich wieder wie gewohnt für Sie im SLZ erreichbar!

Gruß,

Silvio Ströver, Dipl.-Pädagoge

Sind Muster-Bewerbungen mustergültig?

Mittwoch, den 23. Januar 2008

Es ist verführerisch, einfach auf Texte zuzugreifen, die man gratis im Internet erhalten kann. So gibt es viele Text-Vorlagen, die man sich herunterladen kann, doch besteht damit die Gefahr, mögliche Fehler einfach zu übernehmen.

Hier ein Beispiel:

In einem Muster (Bewerbung als EDV-Sachbearbeiter) finde ich Folgendes:

1.

IKK Westfalen-Lippe
Regionaldirektion Bielefeld
Referat IT
Herrn Jürgen Sturm
Artur-Ladebeck-Straße 220

33649 Bielefeld

Hier sollte die Leerzeile verschwinden:

IKK Westfalen-Lippe
Regionaldirektion Bielefeld
Referat IT
Herrn Jürgen Sturm
Artur-Ladebeck-Straße 220
33649 Bielefeld

2.

Ich würde gern EDV-Sachbearbeiter werden – Sie bieten mir diesen Arbeitsplatz

Diese Betreffzeile ist - meines Erachtens - nicht zu empfehlen.

Besser wäre aus meiner Sicht:

Bewerbung als EDV-Sachbearbeiter

3.

“Sehr geehrter Herr Sturm,

von Herrn Müller habe ich erfahren, das Sie…”

Richtig müsste es heißen:

“…habe ich erfahren, dass Sie…”

4.

“Da Sie eine große Krankenkasse sind, die die Möglichkeit bietet die vielfältigen Einsatzbereiche im Bereich der EDV zu durchlaufen und Sie zudem über einen guten Ruf verfügen bin ich sehr an einer Anstellung in ihrem Hause interessiert.”

Zunächst ist nicht Herr Sturm die “große Krankenkasse” (Sie - Kasse), sondern lediglich ein Mitarbeiter etc., zudem fehlen Kommata:

“…bietet, die vielfältigen…”

“guten Ruf verfügen, bin ich…”

Und leider ist der Satz meiner Meinung nach zu lang.

5.

“Ich möchte gern als EDV-Sachbearbeiter arbeiten , da es mir viel Spaß bereitet mit Computern zu arbeiten.”

“Ich möchte…” Was Sie möchten, ist zweitrangig. Besser, Sie beschreiben zuerst, was Sie können und damit, was Sie anbieten!  Der Spaßfaktor ist dann nicht wirklich überzeugend.

 6.

“Am Berufskolleg wurde meine Teamfähigkeit gefördert. Darüber hinaus erwarb ich hier spezielle Kenntnisse in den Bereichen Word, Excel, Power Point und Access.”

Wie fördert ein Kolleg Teamfähigkeit? Gibt es dazu einen Förderkurs? Konkret schreiben, welche Teamarbeit man geleistet hat, das wäre es gewesen! Z. B. kann der Bewerber eine AG nennen, sich auf sportliche Leistung beziehen oder ein Beispiel aus der schulischen Gruppenarbeit (Referat, Präsentation etc.) kurz erwähnen.

Gut, wenn Kenntnisse erworben wurden, die genannt werden können. Schade nur, wenn nicht beschrieben wird, wie gut man z. B. Exel beherrscht (sehr gute, gute Kenntnisse, Grund- oder Schulkenntnisse).

7.

“Danach besuchte ich einen IT-Lehrgang…”

 “Nach dem Praktikum…”

 Wann genau, “danach”? Geben Sie z. B. “Sommer 2007″ oder “von… bis” an etc.

 8.

 

 

“Über eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch würde ich mich sehr freuen.”

Warum “würde”? Freuen Sie sich über eine Einladung, oder freuen Sie sich nicht?

Dann dürfen Sie auch schreiben: “Über eine Einladung…  freue ich mich.”

Grammatisch korrekt müsste das zwar heißen: “Über eine Einladung… werde ich mich freuen.” (Zukunft!) Aber da dies niemand so schreibt und erwartet, bleiben Sie lieber bei dem ersten Vorschlag “freue ich mich”.

9.

 Bewerbung um einen Arbeitsplatzals EDV-Sachbearbeiter

Hier (Deckblatt) fehlt eine Leertaste:

Bewerbung um einen Arbeitsplatz als EDV-Sachbearbeiter

 10.

 

“Schulabschluß:”

“Schulabschluss” heißt es heute. Worte, die hart ausgesprochen werden (muss, Fass, Fluss, Stuss, dass…) müssen mit “ss”, während weich ausgesprochene Begriffe (Muße, Buße) immer noch mit “ß” geschrieben werden.

 11.

 

“10/2001 – 7/2002 IT-Lehrgang beim ESTA-Bildungswerk e.V in Herford

8/2002 – 10/2002…”

Wenn man sich für ein Format entscheidet, sollte es konsequent durchgehalten
werden. Besser ist es hier (im Lebenslauf), die Ziffern nicht kursiv zu schreiben.

12.

 

Fremdsprachen: Englisch, Französisch

Auch hier gilt es, die Fähigkeiten genauer zu charakterisieren z. B. Englisch (sehr gut) etc. Wichtig ist nur, dass diese besonderen, guten Fähigkeiten nicht mit “mangelhaft” oder “ausreichend” auf der Zeugniskopie erscheinen. Das wäre dann mehr als peinlich.

13.

“Meine Stärken…

…hier auf einem Blick:

Ich bin hilfsbereit und freundlich

Ich habe ein gutes Eingliederungsvermögen

Ich kann flexibel meine Aufgaben erledigen”

Die sogenannte “Dritte Seite” (ein Begriff aus dem Bereich Zeitungswesen) dient dazu, ein persönliches Motto oder eine sonstige, besondere, aussagekräftige Seite zu präsentieren. Sie ist für Berufsanfänger oder Schüler interessant, die über keine oder wenige berufliche Erfahrungen verfügen. Es ist allerdings auch etwas für sehr mutige Bewerber, da man sich mit solchen Selbstaussagen auch schnell blamieren kann. Dennoch, eine durchaus interessante Sache! Nur dann ist es ratsam, konkreter zu werden. Was bedeutet denn hier z. B. “Eingliederungsvermögen”? Es gibt manche Begriffe, die sicher nicht mehr so gängig sind oder nicht Ihrem persönlichen Sprachstil entsprechen. Und was für eine Flexibilität wird hier überhaupt angesprochen? Flexibel sind wir doch alle irgendwie, oder?

14.

Äußerst gern würde ich meine Eigenschaften in Ihren Dienst stellen.

Melden Sie sich.

Ich würde mich darauf freuen.

In diesem Sinne

Das ist natürlich ein unschöner Abschluss. Es klingt beinahe so, als wolle sich der junge Bewerber einberufen lassen.  Das kommandoartige “melden Sie sich” passt dazu. Und mal wieder “würde” sich der Bewerber vielleicht, eventuell, möglicherweise freuen. Offenbar traut er sich nicht und ist sich nicht sicher. Gut möglich, dass er sich doch nicht freut.

Hier ist die Quelle, um sich einmal die - aus meiner Sicht verbesserungswürdige Bewerbung - als Datei  herunterzuladen. Gucken Sie sich diese Bewerbung an und machen Sie sich ein eigenes Bild.

http://www.arbeitslosennetz.de/component/option,com_docman/

task,doc_download/gid,269/Itemid,63

Im Übrigen sollte der Text für das Anschreiben nicht allzu lang sein (zwischen fünf bis maximal acht Sätzen).  Die Schriftgröße - wie im Anschreiben geschehen - einfach stark zu reduzieren, ist nicht vorteilhaft.

Also passen Sie schön auf, wenn es um die Erstellung Ihrer Bewerbungsunterlagen geht. Denn nicht alle Muster-Formulare oder Muster-Bewerbungen sind auch wirklich mustergültig.

In diesem Sinne,    ;-)

Silvio Ströver

Das Anschreiben: Einen gelungenen Einstieg finden!

Montag, den 21. Januar 2008

Aus meiner beruflichen Praxis heraus weiß ich, dass Schülerinnen und Schüler oft Probleme haben, einen gelungenen Einstiegssatz für das Bewerbungsanschreiben zu finden. Die (langweilige) Standard-Formulierung lautet:

“Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit bewerbe ich mich um/als…”

Der erste Fehler findet sich schon in der anonymen Anrede, was ich bereits hier in der Checkliste (Fehler-Liste) erwähnt habe. Der Personaler, der möglicherweise gerade dabei ist, 324 Bewerbungsmappen durchzusehen, kann sicher schnell gefrustet sein, wenn sein Name nirgends in der Anrede erwähnt wird.

Wie finde ich den Namen heraus? Die bequemste Methode besteht in der Internet-Recherche. Viele Einrichtungen und Betriebe betreiben mittlerweile eine eigene Webseite. Mithilfe einiger Suchmaschinen ist es sicher schnell möglich, die entsprechende Seite zu finden. Nun empfiehlt es sich, in der Sidebar (linke oder rechte Spalte) oder in der (zumeist oberen) Menüleiste nach Begriffen wie “Karriere”, “Job”, “Ausbildung”, “Kontakt” oder “Azubis”, “Studenten”, “Personalwesen”, “Personalabteilung” oder nach ähnlichen Begriffen zu suchen.

Eine weitere Variante, an den Namen desjenigen zu gelangen, der die Bewerbungsmappe erhalten soll, besteht darin, einfach anzurufen. Die Telefonnummer finden Sie in der Regel auf den Internetseiten der Firma bzw. der Einrichtung (z. B. unter “Kontakt” etc.) oder im Telefonbuch bzw. in den Gelben Seiten, die man auch hier im Internet aufschlagen kann: http://www.gelbeseiten.de Links geben Sie den Firmennamen oder (wenn Sie noch nach einer Adresse suchen möchten) die Rubrik (z. B. Versicherung oder “Büroberufe” oder “Industriekaufmann” etc.) ein. Rechts geben Sie den Ort (z. B. Dortmund) ein. Dabei können Sie den Umkreis (z. B. 10 km) bestimmen, wenn Sie ein Häckchen ins Feld “in der Nähe” reinsetzen. - Suche starten, Adresse finden, anrufen, Namen notieren - und weiter geht’s!

Nun haben Sie den Namen: “Sehr geehrte Frau Nikowsky,…” oder “Sehr geehrter Herr Scholze,…” Doch wie soll der erste Satz (weiter-) ausformuliert werden?

Ich möchte gerne einige Beispiele nennen:

“am 27.06.2008 werde ich die Geschwister-Scholl-Gesamtschule mit dem qualifizierten Fachoberschulabschluss abschließen. Schon länger interessiere ich mich für eine Ausbildung zur/zum …”

“auf Ihrer Webseite www.meinwunschbetrieb.de habe ich gesehen, dass Sie einen Auszubildenden für… suchen…”

“vielen Dank für das freundliche Telefonat. Dadurch bin ich in meinem Wunsch bestärkt worden, Ihnen meine Bewerbung als… zuzusenden.”

“auf Empfehlung von Herrn XY, mit dem ich vorgestern telefonierte, schicke ich Ihnen…”

“nach unserem gestrigen Telefonat wende ich mich, wie miteinander vereinbart, auf elektronischen Wege/per Email an Sie…”

“als sozial engagierter, junger Mensch kenne ich Ihre Einrichtung ‘Pflege für jedermann’ in der So-und-so-Straße 123 sehr gut. Auf Ihrer Internetseite habe ich Ihr Pflegeangebot gesehen, das mich sehr angesprochen hat…”

“als leidenschaftlicher Hobby-Gärtner komme ich gerne als Kunde in Ihre Filiale ‘Kleeblatt 4U’. Mein Wunsch war es schon immer, ein Praktikum in einer Gärtnerei zu absolvieren, um den Beruf des Gärtners näher kennen zu lernen. Aus diesem Grunde…”

“in der Westfälischen Randzeitung vom 21.01.2008 habe ich Ihre Stellenanzeige in der Sonderbeilage gefunden. Gerne möchte ich ab 08.2009 eine Ausbildung zur/zum… machen…”

“wie ich auf der Webseite www.job4me.de gesehen habe, suchen Sie einen engagierten Praktikanten…”

“vielen Dank für Ihr Interesse an meiner Bewerbung als…” (Nach telefonischer Absprache!)

“Ihr Kindergarten ‘Krabbabbel’ ist mir noch in sehr guter Erinnerung und besonders habe ich mich gefreut, dass Sie mir die Möglichkeit einräumten, in Ihrer Einrichtung ein Praktikum als Erzieherin zu absolvieren…”

“als Schlangenhalter ist mir Ihre gute Behandlungsweise sehr aufgefallen. Ich weiß, dass viele Tierärzte Schwierigkeiten haben, Schlangen medizinisch zu versorgen. Als begeisteter Schlangenhalter bin ich sehr an einem tierärztlichen Studium interessiert und möchte gerne vorab ein Praktikum in Ihrer Tierklinik absolvieren, um…”

“Ihre Anzeige im Hamburger Tagesblatt vom 21.01.2008 hat mich sehr angesprochen. Daher möchte ich mich Ihnen einmal kurz vorstellen…”

“das Telefonat mit Herrn Müller vom 19.01.’08 hat mich bestärkt, mich bei Ihnen als… zu bewerben…”

“wie ich erfahren habe, suchen Sie eine/n …”.

“Sie suchen einen motivierten Fachlageristen..”

“mit großem Interesse habe ich auf Ihrer Webseite www.ihrewebseite.de gelesen, dass Sie zum 01.08.2008 einen… suchen…”

“ich bin zur Zeit Schüler des Bremer Verkauf-Dich-gut-Wirtschaftsgymnasiums und besuche die 11. Klasse. Von… bis… haben wir Schüler die Gelegenheit, ein Praktikum in unserem Wunschberuf zu machen. Da ich Ihre Filiale in der So-und-so-Straße 123 gut kenne, interessiert mich besonders die Abteilung für XY…”

“Von meinem Arbeitsvermittler habe ich heute erfahren, dass Sie zum…. eine/-n…. suchen. ..”

Wie Sie, liebe Bewerberin und Bewerber, sehen können, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die schrecklich-langweilige Floskel “hiermit bewerbe ich mich um…” zu vermeiden. Natürlich ist es nicht einfach, einen passenden Alternativ-Satz zu finden. Und auch mir gelingt es als Berufswahlbegleiter nicht immer, den idealen, perfekten Satz sofort aus den Ärmeln zu schütteln. Viele Schüler/-innen möchten jedoch schnell fertig werden und haben kaum Geduld. Doch auf die Schnelle findet man nur selten den richtigen Einstieg im Anschreiben. Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass eine gute Bewerbung durchaus einige Nachmittage benötigt, bis sie komplett erstellt ist. Und da kann es durchaus vorkommen, dass das Anschreiben einige Stunden in Anspruch nimmt.

Ich empfehle, zunächst den Lebenslauf zu erstellen und sich gründlich Gedanken zu machen, welche Anforderungen gestellt werden, um diese mit eigenen Fähigkeiten und Stärken zu vergleichen. Erst dann fällt es - besonders nach einem Telefonanruf bei der betreffenden Firma etc. - leichter, das Anschreiben inkl. des schwierigen Einstiegssatzes zu verfassen.

Ich hoffe sehr, Ihnen so etwas geholfen zu haben.

Wie haben Sie Ihr Anschreiben begonnen? Welchen Einleitungssatz formulierten Sie? Lassen Sie uns an Ihrer Erfahrung (in Form eines Kommentars) teilhaben! Auf (positive wie auch negative) Beispielsätze freue ich mich.

Mit freundlichen Grüßen

Silvio Ströver, Dipl.-Pädagoge

Virtuelle Berufswahl

Freitag, den 18. Januar 2008

Hier ein Link-Tipp für Leute, die sich noch in der Berufsfindung wähnen:
Auszug der Webseite:

“Berufliche Orientierung?
Der Berufskompass ist die Orientierungshilfe für die Berufswahl. In zirka 15 Minuten beantworten Sie 83 Fragen, welche für die Berufswahl wichtige personen- und arbeitsplatzbezogene Merkmale erfassen.”

Quelle:
http://www.berufskompass.at/berufskp2/index.htm

Viel Erfolg dabei,

Silvio Ströver

Fehler bei der Erstellung der Bewerbungsunterlagen erkennen und vermeiden

Freitag, den 18. Januar 2008

Wenn ich mir Bewerbungen anschaue, entdecke ich auch Fehler oder Schwächen, die zum Teil recht häufig vorkommen. Ich habe mir einmal die Mühe gemacht, die wichtigsten Fehler aufzulisten, die mir in meiner bisherigen Berufspraxis in Punkto “schriftliche Bewerbung” aufgefallen sind. Ich kann mir vorstellen, dass diese Fehleranalyse nicht bei jedem so gesehen wird. Sie haben dafür auch hier wiederum die Möglichkeit, diese Liste zu kommentieren.

Die Fehler-Liste kann:

1. zeigen, dass Bewerbungsunterlagen nicht “mal eben” heruntergetippt werden sollten;

2. erahnen lassen, wieviele Fehler gemacht werden können;

3. deutlich machen, dass gewisse Fehler offenbar “typische Bewerbungsfehler” sind;

4. dazu gut sein, diese genannten Fehler konkret zu vermeiden und helfen,

eine bessere Bewerbung zu verfassen.

Liste in Form einer Pdf-Datei zum Herunterladen und Abspeichern:

http://berufswahlhelfer.stroever.net/2008_01_18_bewerberfehler_online_version.pdf

Nur, wer aus Fehlern lernt, entwickelt sich weiter.

Gruß,

Silvio Ströver

Über Benimm-Regeln entscheiden können

Donnerstag, den 17. Januar 2008

Wer die angemessene Begrüßung oder den richtigen Smalltalk beherrscht, für den Höflichkeit und gutes Benehmen keine Fremdworte sind, wer einen guten Kleidungsstil wahrt und vorzeigbare Tischsitten mitbringt, ist als Bewerber klar im Vorteil.

Man möchte als junger Mensch gerade in der heutigen Zeit, die durch Schlagworte wie z. B. Emanzipation und Selbstverwirklichung gekennzeichnet ist, einwenden, dass man sich nicht verstellen möchte. Doch wer verlernt hat, von “außen nach innen” zu essen oder im Betrieb der Rangfolge entsprechend zu begrüßen oder anzureden und keinen blassen Schimmer hat, was ein “Dresscode” ist und wie er im Unternehmen definiert ist, wird schnell negativ auffallen und spätestens im Vorstellungsgespräch eine Absage erhalten.

Schon Schopenhauer wusste Folgendes zu sagen:

“Höflichkeit ist wie ein Luftkissen: Es mag wohl nichts drin sein, aber sie mildert die Stöße des Lebens.”

Es ist nicht verwerflich, einige Höflichkeits-Regeln zu kennen. So kann man sich wenigstens bewusst dafür oder dagegen entscheiden und kennt die möglichen Konsequenzen. Unpädagogisch wäre es meiner Ansicht nach, diese Entscheidung aus Unkenntnis (Unbildung) heraus nicht fällen zu können.

Auch Wilhelm Busch, der - vereinfacht formuliert - Vater des Comics gewesen ist, zeichnete sich auch dadurch aus, seine Menschenkenntnisse im guten Wort und Witz Ausdruck zu verleihen. So finden wir, passend zum Thema, einen klugen Reim, der anhand des Wahrheitsbegriffs deutlich machen will, dass ein gesellschaftliches Miteinander scheinbar nur dann funktioniert, wenn man sich nicht ganz so wichtig nimmt:

Wer möchte diesen Erdenball

Noch fernhin betreten,

Wenn wir Bewohner überall

Die Wahrheit sagen täten.

.

Ihr hießet uns, wir hießen euch

Spitzbuben und Halunken,

Wir sagten uns fatales Zeug

Noch eh’ wir uns betrunken.

.

Und überall im weiten Land,

Als langbewährtes Mittel,

Entsproßte aus der Menschenhand

Der treue Knotenknittel*.

.

Da lob’ ich mir die Höflichkeit,

Das zierliche Betrügen.

Du weißt Bescheid, ich weiß Bescheid;

Und allen macht’s Vergnügen.

.

Wilhelm Busch: Kritik des Herzens

Höflichkeit und z. B. Tischmanieren sind durchaus erlern- und trainierbar. Und auch das Wissen kann man sich für ein wenig Geld aneignen. Empfehlen möchte ich daher an dieser Stelle drei Bücher, die man überall kaufen kann:

BONNEAU, Elisabeth: 300 Fragen zum guten Benehmen. Der grosse GU Kompass. München: Gräfe und Unzer Verlag, 2005. 12,90 €

VON AU, Franziska: Erfolgreich auftreten im Beruf. München: Gräfe und Unzer Verlag, 2007. 16,90 €

WOLFF, Inge: Knigge im Job. So machen Sie immer eine gute Figur. München: Gräfe und Unzer Verlag, 2006. 12,90 €

Es sieht so aus, als ob es zig Regeln gibt, die man auswendig lernen müsste. Aber mir scheint, dass viele Regeln von einigen zentralen Grundnormen (z. B. “Beachte die Hierarchie in der Firma”, “Kleide Dich ’standes’gemäß”, “Verletze keine Territorien”…) ableiten lassen. Ich möchte versuchen, dies in den nächsten Blogbeiträgen zu verdeutlichen.

Gruß,

Silvio Ströver

*Nachtrag:

Der “Knotenknittel” scheint - nach mühsamer Recherche - ein “Knüttel” zu sein, also ein nicht verzierter, nicht geschnitzter, z. B. einem Baum entrissenen dicker (”Knoten”!), knüppelartiger Ast zu sein, der u. a. zur Prügelstrafe eingesetzt wurde. Insofern scheint klar zu sein, was Busch mit “langbewährtes Mittel” und “treu” gemeint hat.

Quellen:

BUSCH, Wilhelm: Wer möchte diesen Erdenball? In: Wilhelm Busch: Narrheiten und Wahrheiten. Mit einer Einführung von Friedrich Bohne. Frankfurt am Main: Büchergilde Gutenberg., Buch 427, 1960, S. 306.

SCHOPENHAUER, Arthur: “Höflichkeit ist wie ein Luftkissen…” Zitiert aus:
Großes Zitatenbuch. Sonderausgabe. München: Compact Verlag, 1984, S. 707.

Tipp:

Wer möchte diesen Erdenball” zum Anhören:

http://de.wikisource.org/wiki/

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