Das Anschreiben: Einen gelungenen Einstieg finden!

Aus meiner beruflichen Praxis heraus weiß ich, dass Schülerinnen und Schüler oft Probleme haben, einen gelungenen Einstiegssatz für das Bewerbungsanschreiben zu finden. Die (langweilige) Standard-Formulierung lautet:

“Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit bewerbe ich mich um/als…”

Der erste Fehler findet sich schon in der anonymen Anrede, was ich bereits hier in der Checkliste (Fehler-Liste) erwähnt habe. Der Personaler, der möglicherweise gerade dabei ist, 324 Bewerbungsmappen durchzusehen, kann sicher schnell gefrustet sein, wenn sein Name nirgends in der Anrede erwähnt wird.

Wie finde ich den Namen heraus? Die bequemste Methode besteht in der Internet-Recherche. Viele Einrichtungen und Betriebe betreiben mittlerweile eine eigene Webseite. Mithilfe einiger Suchmaschinen ist es sicher schnell möglich, die entsprechende Seite zu finden. Nun empfiehlt es sich, in der Sidebar (linke oder rechte Spalte) oder in der (zumeist oberen) Menüleiste nach Begriffen wie “Karriere”, “Job”, “Ausbildung”, “Kontakt” oder “Azubis”, “Studenten”, “Personalwesen”, “Personalabteilung” oder nach ähnlichen Begriffen zu suchen.

Eine weitere Variante, an den Namen desjenigen zu gelangen, der die Bewerbungsmappe erhalten soll, besteht darin, einfach anzurufen. Die Telefonnummer finden Sie in der Regel auf den Internetseiten der Firma bzw. der Einrichtung (z. B. unter “Kontakt” etc.) oder im Telefonbuch bzw. in den Gelben Seiten, die man auch hier im Internet aufschlagen kann: http://www.gelbeseiten.de Links geben Sie den Firmennamen oder (wenn Sie noch nach einer Adresse suchen möchten) die Rubrik (z. B. Versicherung oder “Büroberufe” oder “Industriekaufmann” etc.) ein. Rechts geben Sie den Ort (z. B. Dortmund) ein. Dabei können Sie den Umkreis (z. B. 10 km) bestimmen, wenn Sie ein Häckchen ins Feld “in der Nähe” reinsetzen. - Suche starten, Adresse finden, anrufen, Namen notieren - und weiter geht’s!

Nun haben Sie den Namen: “Sehr geehrte Frau Nikowsky,…” oder “Sehr geehrter Herr Scholze,…” Doch wie soll der erste Satz (weiter-) ausformuliert werden?

Ich möchte gerne einige Beispiele nennen:

“am 27.06.2008 werde ich die Geschwister-Scholl-Gesamtschule mit dem qualifizierten Fachoberschulabschluss abschließen. Schon länger interessiere ich mich für eine Ausbildung zur/zum …”

“auf Ihrer Webseite www.meinwunschbetrieb.de habe ich gesehen, dass Sie einen Auszubildenden für… suchen…”

“vielen Dank für das freundliche Telefonat. Dadurch bin ich in meinem Wunsch bestärkt worden, Ihnen meine Bewerbung als… zuzusenden.”

“auf Empfehlung von Herrn XY, mit dem ich vorgestern telefonierte, schicke ich Ihnen…”

“nach unserem gestrigen Telefonat wende ich mich, wie miteinander vereinbart, auf elektronischen Wege/per Email an Sie…”

“als sozial engagierter, junger Mensch kenne ich Ihre Einrichtung ‘Pflege für jedermann’ in der So-und-so-Straße 123 sehr gut. Auf Ihrer Internetseite habe ich Ihr Pflegeangebot gesehen, das mich sehr angesprochen hat…”

“als leidenschaftlicher Hobby-Gärtner komme ich gerne als Kunde in Ihre Filiale ‘Kleeblatt 4U’. Mein Wunsch war es schon immer, ein Praktikum in einer Gärtnerei zu absolvieren, um den Beruf des Gärtners näher kennen zu lernen. Aus diesem Grunde…”

“in der Westfälischen Randzeitung vom 21.01.2008 habe ich Ihre Stellenanzeige in der Sonderbeilage gefunden. Gerne möchte ich ab 08.2009 eine Ausbildung zur/zum… machen…”

“wie ich auf der Webseite www.job4me.de gesehen habe, suchen Sie einen engagierten Praktikanten…”

“vielen Dank für Ihr Interesse an meiner Bewerbung als…” (Nach telefonischer Absprache!)

“Ihr Kindergarten ‘Krabbabbel’ ist mir noch in sehr guter Erinnerung und besonders habe ich mich gefreut, dass Sie mir die Möglichkeit einräumten, in Ihrer Einrichtung ein Praktikum als Erzieherin zu absolvieren…”

“als Schlangenhalter ist mir Ihre gute Behandlungsweise sehr aufgefallen. Ich weiß, dass viele Tierärzte Schwierigkeiten haben, Schlangen medizinisch zu versorgen. Als begeisteter Schlangenhalter bin ich sehr an einem tierärztlichen Studium interessiert und möchte gerne vorab ein Praktikum in Ihrer Tierklinik absolvieren, um…”

“Ihre Anzeige im Hamburger Tagesblatt vom 21.01.2008 hat mich sehr angesprochen. Daher möchte ich mich Ihnen einmal kurz vorstellen…”

“das Telefonat mit Herrn Müller vom 19.01.’08 hat mich bestärkt, mich bei Ihnen als… zu bewerben…”

“wie ich erfahren habe, suchen Sie eine/n …”.

“Sie suchen einen motivierten Fachlageristen..”

“mit großem Interesse habe ich auf Ihrer Webseite www.ihrewebseite.de gelesen, dass Sie zum 01.08.2008 einen… suchen…”

“ich bin zur Zeit Schüler des Bremer Verkauf-Dich-gut-Wirtschaftsgymnasiums und besuche die 11. Klasse. Von… bis… haben wir Schüler die Gelegenheit, ein Praktikum in unserem Wunschberuf zu machen. Da ich Ihre Filiale in der So-und-so-Straße 123 gut kenne, interessiert mich besonders die Abteilung für XY…”

“Von meinem Arbeitsvermittler habe ich heute erfahren, dass Sie zum…. eine/-n…. suchen. ..”

Wie Sie, liebe Bewerberin und Bewerber, sehen können, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die schrecklich-langweilige Floskel “hiermit bewerbe ich mich um…” zu vermeiden. Natürlich ist es nicht einfach, einen passenden Alternativ-Satz zu finden. Und auch mir gelingt es als Berufswahlbegleiter nicht immer, den idealen, perfekten Satz sofort aus den Ärmeln zu schütteln. Viele Schüler/-innen möchten jedoch schnell fertig werden und haben kaum Geduld. Doch auf die Schnelle findet man nur selten den richtigen Einstieg im Anschreiben. Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass eine gute Bewerbung durchaus einige Nachmittage benötigt, bis sie komplett erstellt ist. Und da kann es durchaus vorkommen, dass das Anschreiben einige Stunden in Anspruch nimmt.

Ich empfehle, zunächst den Lebenslauf zu erstellen und sich gründlich Gedanken zu machen, welche Anforderungen gestellt werden, um diese mit eigenen Fähigkeiten und Stärken zu vergleichen. Erst dann fällt es - besonders nach einem Telefonanruf bei der betreffenden Firma etc. - leichter, das Anschreiben inkl. des schwierigen Einstiegssatzes zu verfassen.

Ich hoffe sehr, Ihnen so etwas geholfen zu haben.

Wie haben Sie Ihr Anschreiben begonnen? Welchen Einleitungssatz formulierten Sie? Lassen Sie uns an Ihrer Erfahrung (in Form eines Kommentars) teilhaben! Auf (positive wie auch negative) Beispielsätze freue ich mich.

Mit freundlichen Grüßen

Silvio Ströver, Dipl.-Pädagoge

2 Reaktionen zu “Das Anschreiben: Einen gelungenen Einstieg finden!”

  1. Virgola

    Das ist ja mal eine gute Hilfe, Silvio. Ich hoffe, daß diejenigen, die sie brauchen, sie auch finden.

    Weißt Du eigentlich schon, daß ich einen 19 Stunden Job habe? Allerdings brauchte ich für den kein Anschreiben…

    Wie sieht’s bei Dir beruflich aus? Kannst mir ja mal privat ein Update schicken ;-)

    Virgola

  2. Silvio Ströver

    Danke. :-)

    Update wird in Bälde folgen… ;-)

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