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Die etwas angerostete Job-Lokomotive

Montag, den 11. Februar 2008

Ich weiß, dass dies bei vielen Schülerinnen und Schülern eher die Ausnahme ist, aber vielleicht gibt es doch den ein oder anderen, der sich durchaus den Luxus gönnt, in die Buchhandlung zu gehen, um sich Literatur für die Erstellung einer Bewerbungsmappe o. ä. zu kaufen.

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Umso größer der Ärger, wenn man feststellen muss, dass das neu herausgegebene Werk dann doch nicht mehr den aktuellen Bedürfnissen entspricht.

Als ich Ende letzten Jahres für einen Ordner mit dem etwas urigen Titel “Die Job-Lokomotive” käuflich erworben hatte, sah ich, dass das Muster-Anschreiben längstens nicht mehr den gültigen DIN-Normen entsprach. Der vom Juventa-Verlag 2007 neu herausgegebene Ordner mit Kopiervorlagen will ein Trainingsprogramm für Jugendliche sein und beinhaltet viele gute Vorlagen und Textbausteine. Entstanden ist dieser Ordner mit Hilfe der Hamburg-Mannheimer-Stiftung “Jugend & Zukunft”.

Doch ausgerechnet das Muster, welches ich gerne in der Schule eingesetzt hätte, stimmte vorne und hinten nicht mehr.

Fehler 1:

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Wie üblich, befindet sich die Adresse des Empfängers (des Betriebs etc.) im linken, oberen Text-Teil, genau über der Betreff-Zeile. Nun wird hier, wie es 2005 noch richtig war, eine Leerzeile zwischen Straßennamen und Ortsbezeichnung eingefügt.

Doch inzwischen haben wir 2008: Diese Leerzeile ist seit der neuen DIN 5008 (also seit Mai 2005) nicht mehr gestattet. Es darf also keine Leerzeile mehr dazwischen stehen. Im Übrigen verzichtet dieses Muster auf die Angabe einer (seriösen) Emailadresse. Wer eine brauchbare besitzt, die auch noch (für potenzielle Arbeitegeber) vorzeigbar ist, sollte diese heute durchaus mit angeben. Natürlich ist dies kein “Muss”, aber aus meiner Sicht ein notwendiges Minimum, um zu zeigen, dass man auch mit modernen Medien umgehen kann.

Fehler 2:

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Die Angabe “Musterstadt, den 18.10.2006″ bitte so nicht mehr verwenden. Stattdessen schreiben Sie schlicht: “Musterstadt, 18.10.2006″ oder noch einfacher: 2006-10-18 (Musterbrief nach der DIN 5008)

Fehler 3:

2008_02_11_joblokomotive_01d_.JPG

Das Anschreiben wird mit dem folgenden Satz eingeleitet:

“Sehr geehrter Herr Hunstig,

bezugnehmend auf das Ausbildungsangebot…”

Mein Eindruck ist der, dass es sich hier um eine veraltete Ausdrucksform handelt. Im Duden finden wir den Hinweis, dass dieser Begriff aus der “Amtssprache” bzw. “Kaufmannssprache” stammt. Doch was hat (veraltete?) Amtssprache in einem Anschreiben eines (jungen) Bewerbers zu suchen? Nichts! Also mein Tipp: Suchen Sie sich besser einen zeitgemäßen Begriff, eine Formulierung, die zu Ihnen passt. Sonst laufen Sie Gefahr, zu hölzern zu klingen, was Sie sicher nicht möchten (es sei denn, Sie sind wirklich hölzern).

(Optischer) Fehler 4:

Wörter wie “sowie” und “Ausbildung” werden im Mustertext getrennt. Es ist sicher schöner für’s Auge, diese Begriffe nicht zu trennen, sondern im Ganzen zu lassen.

2008_02_11_joblokomotive_01e_.JPG . 2008_02_11_joblokomotive_01f_.JPG

Fehler 5:

Ob der Bewerber seinen “voraussichtlichen” Schulabschluss (Neudeutsch: Bildungsabschluss) nennen mag, ist ebenfalls nicht ohne Weiteres anzuraten:

2008_02_11_joblokomotive_01g_.jpg

“Voraussichtlich” klingt, so wusste mir ein kompetenter Berufsberater aus seiner jahrelangen Berufspraxis heraus zu sagen, sehr unsicher. Man muss also versuchen, als Bewerber die Arbeitgeber-Logik zu durchschauen. Besser ist es, “voraussichtlich” (z. B. auch im Lebenslauf) komplett wegzulassen oder zu umschreiben mit “angestrebter Schulabschluss…”. Arbeitgeber möchten eher sichere Bewerber, die keinen Zweifel darüber haben, ob Sie Ihren gewünschten Schulabschluss auch erreichen.

Fehler 6:

Zeilenabstände: Verwendet wird hier der einzeilige Abstand. Dadurch wirkt der Text sehr “gedrungen”. Auflockern kann man das Anschreiben, das ohnehin nur ca. fünf bis ca. acht Sätze umfassen soll, dadurch, dass man z. B. im kostenlosen OpenOffice-Textprogramm unter “Format” - “Absatz” - “Einzüge und Abstände” unter “Zeilenabstand” “1,5zeilig” anklickt.

Mein (kurzes) Fazit:

Der Ordner ist sicher durchaus zu empfehlen, wenn man von kleineren Schwächen absieht. Es wäre jedoch wünschenswert, eine Aktualisierung vorzunehmen, um die beschriebene Mängel zu korrigieren, denn immerhin sind 59,- € auch nicht wenig.

Gruß,

Silvio Ströver, Dipl-Pädagoge

Zu bestellen gibt es diesen Ordner u. a. hier:

http://www.weltbild.de/artikel.php?WEA=8002820&artikelnummer=12327391&mode

=art&PUBLICAID=924cd762423cf19950f6db66a5e9a29c

bzw.

http://www.amazon.de/Job-Lokomotive-Trainingsprogramm-

Berufsorientierung-Jugendliche-P%C3%A4dagogisches/dp/3779921359

oder hier:

http://www.buch.de/buch/14249/

618_die_job_lokomotive__paedagogisches_training.html

bzw. hier:

http://www.pbv.at/webmanager/view.php?docid=5800

Hamburger Studie: Jugendliche gar nicht so hilflos!

Mittwoch, den 1. August 2007

Jugendliche sind nach einer Studie mit dem Titel “Berufswahl in Hamburg 2006″ wesentlich aktiver in ihrer Berufswahl, als bisher angenommen, so “Einstieg Hamburg” am 10.02.2006. Sie suchen eigenverantwortlich und kompetent nach einem passenden Beruf. Lediglich ein Viertel der befragten Hamburger Jugendlichen benötigt etwas mehr Unterstützung von außen, wichtigste Stütze sind jedoch ansonsten die Eltern, Praktikaerfahrungen und die Schule. Einstieg Hamburg zitiert Dr. Alfred Lumpe mit den Worten:”An der Schwelle zum Wechsel von der Schule in Ausbildung oder Studium ist ein Übergangsmanagement auf hohem Niveau erkennbar…” (Quelle: http://www.einstieg-hamburg.de/2329.html)

Zusätzlich sei bei den Befragten Leistungsorientierung bei der Berufsfindung erkennbar, sodass andere Faktoren, wie Verdienstmöglichkeiten oder ähnliches wegfallen. Ein Drittel wünschten sich allerdings vorrangig geregelte Arbeitszeiten, was nicht gerade für Flexibilität steht.

Nachlesen können Sie dies auf der Webseite von Einstieg Hamburg: http://www.einstieg-hamburg.de/2329.html - Darüberhinaus finden Sie dort weiterführende Links zur Durchführung der Studie (Pdf) und die wichtigsten Ergebnisse der Studie in einer 63-seitigen herunterladbaren Pdf-Datei.

Für all diejenigen, die sich für eine Messe über Ausbildung, Job und Studium im Hamburger Raum interessieren, gibt es bereits einen wichtigen Termin für’s nächste Jahr: Am 22. & 23.02.2008 findet die nächste EINSTIEG Hamburg in der Halle A1 der Hamburg Messe statt. Schauen Sie einfach auf der Webseite von EINSTIEG nach, um einen Eindruck zu gewinnen, wie die bisherigen fünf EINSTIEGs-Messen verlaufen sind. Umfangreiche Berichte (z. B. Presse etc.) und weitere Dokumentationen scheinen den Erfolg dieser Messeveranstaltung, die bis nach Dortmund reicht, zu belegen.

Ein Grund mehr, sich mal genauer damit auseinanderzusetzen,

Gruß,

Silvio Ströver