Es ist verführerisch, einfach auf Texte zuzugreifen, die man gratis im Internet erhalten kann. So gibt es viele Text-Vorlagen, die man sich herunterladen kann, doch besteht damit die Gefahr, mögliche Fehler einfach zu übernehmen.
Hier ein Beispiel:
In einem Muster (Bewerbung als EDV-Sachbearbeiter) finde ich Folgendes:
1.
IKK Westfalen-Lippe
Regionaldirektion Bielefeld
Referat IT
Herrn Jürgen Sturm
Artur-Ladebeck-Straße 220
33649 Bielefeld
Hier sollte die Leerzeile verschwinden:
IKK Westfalen-Lippe
Regionaldirektion Bielefeld
Referat IT
Herrn Jürgen Sturm
Artur-Ladebeck-Straße 220
33649 Bielefeld
2.
Ich würde gern EDV-Sachbearbeiter werden – Sie bieten mir diesen Arbeitsplatz
Diese Betreffzeile ist - meines Erachtens - nicht zu empfehlen.
Besser wäre aus meiner Sicht:
Bewerbung als EDV-Sachbearbeiter
3.
“Sehr geehrter Herr Sturm,
von Herrn Müller habe ich erfahren, das Sie…”
Richtig müsste es heißen:
“…habe ich erfahren, dass Sie…”
4.
“Da Sie eine große Krankenkasse sind, die die Möglichkeit bietet die vielfältigen Einsatzbereiche im Bereich der EDV zu durchlaufen und Sie zudem über einen guten Ruf verfügen bin ich sehr an einer Anstellung in ihrem Hause interessiert.”
Zunächst ist nicht Herr Sturm die “große Krankenkasse” (Sie - Kasse), sondern lediglich ein Mitarbeiter etc., zudem fehlen Kommata:
“…bietet, die vielfältigen…”
“guten Ruf verfügen, bin ich…”
Und leider ist der Satz meiner Meinung nach zu lang.
5.
“Ich möchte gern als EDV-Sachbearbeiter arbeiten , da es mir viel Spaß bereitet mit Computern zu arbeiten.”
“Ich möchte…” Was Sie möchten, ist zweitrangig. Besser, Sie beschreiben zuerst, was Sie können und damit, was Sie anbieten! Der Spaßfaktor ist dann nicht wirklich überzeugend.
6.
“Am Berufskolleg wurde meine Teamfähigkeit gefördert. Darüber hinaus erwarb ich hier spezielle Kenntnisse in den Bereichen Word, Excel, Power Point und Access.”
Wie fördert ein Kolleg Teamfähigkeit? Gibt es dazu einen Förderkurs? Konkret schreiben, welche Teamarbeit man geleistet hat, das wäre es gewesen! Z. B. kann der Bewerber eine AG nennen, sich auf sportliche Leistung beziehen oder ein Beispiel aus der schulischen Gruppenarbeit (Referat, Präsentation etc.) kurz erwähnen.
Gut, wenn Kenntnisse erworben wurden, die genannt werden können. Schade nur, wenn nicht beschrieben wird, wie gut man z. B. Exel beherrscht (sehr gute, gute Kenntnisse, Grund- oder Schulkenntnisse).
7.
“Danach besuchte ich einen IT-Lehrgang…”
“Nach dem Praktikum…”
Wann genau, “danach”? Geben Sie z. B. “Sommer 2007″ oder “von… bis” an etc.
8.
“Über eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch würde ich mich sehr freuen.”
Warum “würde”? Freuen Sie sich über eine Einladung, oder freuen Sie sich nicht?
Dann dürfen Sie auch schreiben: “Über eine Einladung… freue ich mich.”
Grammatisch korrekt müsste das zwar heißen: “Über eine Einladung… werde ich mich freuen.” (Zukunft!) Aber da dies niemand so schreibt und erwartet, bleiben Sie lieber bei dem ersten Vorschlag “freue ich mich”.
9.
Bewerbung um einen Arbeitsplatzals EDV-Sachbearbeiter
Hier (Deckblatt) fehlt eine Leertaste:
Bewerbung um einen Arbeitsplatz als EDV-Sachbearbeiter
10.
“Schulabschluß:”
“Schulabschluss” heißt es heute. Worte, die hart ausgesprochen werden (muss, Fass, Fluss, Stuss, dass…) müssen mit “ss”, während weich ausgesprochene Begriffe (Muße, Buße) immer noch mit “ß” geschrieben werden.
11.
“10/2001 – 7/2002 IT-Lehrgang beim ESTA-Bildungswerk e.V in Herford
8/2002 – 10/2002…”
Wenn man sich für ein Format entscheidet, sollte es konsequent durchgehalten
werden. Besser ist es hier (im Lebenslauf), die Ziffern nicht kursiv zu schreiben.
12.
Fremdsprachen: Englisch, Französisch
Auch hier gilt es, die Fähigkeiten genauer zu charakterisieren z. B. Englisch (sehr gut) etc. Wichtig ist nur, dass diese besonderen, guten Fähigkeiten nicht mit “mangelhaft” oder “ausreichend” auf der Zeugniskopie erscheinen. Das wäre dann mehr als peinlich.
13.
“Meine Stärken…
…hier auf einem Blick:
Ich bin hilfsbereit und freundlich
Ich habe ein gutes Eingliederungsvermögen
Ich kann flexibel meine Aufgaben erledigen”
Die sogenannte “Dritte Seite” (ein Begriff aus dem Bereich Zeitungswesen) dient dazu, ein persönliches Motto oder eine sonstige, besondere, aussagekräftige Seite zu präsentieren. Sie ist für Berufsanfänger oder Schüler interessant, die über keine oder wenige berufliche Erfahrungen verfügen. Es ist allerdings auch etwas für sehr mutige Bewerber, da man sich mit solchen Selbstaussagen auch schnell blamieren kann. Dennoch, eine durchaus interessante Sache! Nur dann ist es ratsam, konkreter zu werden. Was bedeutet denn hier z. B. “Eingliederungsvermögen”? Es gibt manche Begriffe, die sicher nicht mehr so gängig sind oder nicht Ihrem persönlichen Sprachstil entsprechen. Und was für eine Flexibilität wird hier überhaupt angesprochen? Flexibel sind wir doch alle irgendwie, oder?
14.
Äußerst gern würde ich meine Eigenschaften in Ihren Dienst stellen.
Melden Sie sich.
Ich würde mich darauf freuen.
In diesem Sinne
Das ist natürlich ein unschöner Abschluss. Es klingt beinahe so, als wolle sich der junge Bewerber einberufen lassen. Das kommandoartige “melden Sie sich” passt dazu. Und mal wieder “würde” sich der Bewerber vielleicht, eventuell, möglicherweise freuen. Offenbar traut er sich nicht und ist sich nicht sicher. Gut möglich, dass er sich doch nicht freut.
Hier ist die Quelle, um sich einmal die - aus meiner Sicht verbesserungswürdige Bewerbung - als Datei herunterzuladen. Gucken Sie sich diese Bewerbung an und machen Sie sich ein eigenes Bild.
http://www.arbeitslosennetz.de/component/option,com_docman/
task,doc_download/gid,269/Itemid,63
Im Übrigen sollte der Text für das Anschreiben nicht allzu lang sein (zwischen fünf bis maximal acht Sätzen). Die Schriftgröße - wie im Anschreiben geschehen - einfach stark zu reduzieren, ist nicht vorteilhaft.
Also passen Sie schön auf, wenn es um die Erstellung Ihrer Bewerbungsunterlagen geht. Denn nicht alle Muster-Formulare oder Muster-Bewerbungen sind auch wirklich mustergültig.
In diesem Sinne,
Silvio Ströver